Wissen – Herrschaftssystem in Japan

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Wissen – Herrschaftssystem in Japan

Von Stammesverbänden über Monarchie zur Demokratie

Bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts bestand Japan aus einigen Kleinstaaten und lokal herrschenden Stammesverbänden. Die frühe Geschichte des Landes ist noch immer mit zahlreichen Mythen und Legenden verwoben, da die frühen Chroniken, die die japanische Geschichte beschreiben, Auftragsarbeiten der ab 673 herrschenden Regierung waren, und zu deren Legitimation dienten. Ab dieser Zeit wurden die lokalen Herrscher größtenteils entmachtet, das Land verstaatlicht und Japan zu einem Zentralstaat mit wechselnder Hauptstadt unter der Führung des Tennos, der stark an dem chinesischen Vorbild orientiert war. Jedoch blieben in dem frühen Rechts- und Staatssystem einige Schlupflöcher, die sich einzelne Clans und Familien, aber auch Tempel zu Nutze machen konnten. So war zum Beispiel neu gewonnenes Land von Steuern und Abgaben befreit, weshalb einige Landadlige die Binnenkolonisation vorantrieben. Eine zunehmende Flucht der Bauern von dem mit immer stärkeren Abgaben verbundenen staatlichen Ländereien, hin zu den Gebieten lokaler Herren schwächte den Hofadel, um gleichzeitig den unabhängigen ländlichen Adel zu stärken. Zudem setzte sich ab Mitte des 9. Jahrhunderts das Grundeigentum der Feudalherren durch, einflussreiche Familien übernahmen zunehmend wichtige Ämter und das Militärwesen und machten sich für die Regierung unentbehrlich, betrieben aber zugleich Politik im persönlichen Interesse. Der Tenno musste sich die Macht mit dem über das Militär verfügenden Shogun teilen und verlor zunehmend an Einfluss. Obwohl die Macht des Kaisers zuzeiten auf ein Minimum beschränkt war, blieb das Amt jedoch erhalten, er hatte zumindest eine wichtige zeremonielle und, für die Ernennung des Shogun, eine legitimierende Rolle, auf die es niemand wagte zu verzichten. Mit Beginn der Edo-Zeit wurde die Zentralgewalt unter der Herrschaft der Tokugawa Shogune wiederhergestellt, die es besser als all ihre Vorgänger verstanden, die Feudalherren unter Kontrolle zu halten. Zum einen setzten sie ihre Verbündeten in Schlüsselpositionen ein, zum anderen ließen sie die Fürsten die Hälfte der Zeit am Hof verbringen. Das Lehnswesen blieb aber dennoch bestehen, und so war Japan zu dieser Zeit faktisch ein zentralisierter Feudalstaat. Erst mit der Abschaffung der Kriegerkaste während der Meiji-Restauration konnte ein moderner Staat entstehen; nachdem der letzte Shogun auf Druck verschiedener Provinzfürsten abdankte, erhielt das Land eine Verfassung, Japan war nun eine konstitutionelle Monarchie. Und der Tenno war, gestützt von Parlament und Militär Staatsoberhaupt und Tatsächlicher Herrscher, aber wieder nur für eine kurze Epoche, denn nach der Niederlage im zweiten Weltkrieg und der bedingungslosen Kapitulation verzichtete der Tenno nicht nur auf seine angeblich göttliche Abstammung sondern auch auf seine Rolle als Staatsoberhaupt. Seitdem ist Japan eine parlamentarische Demokratie mit einer auf zeremonielle und repräsentative Aufgaben beschränkter Monarchie.

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